Hotel Botanico Teneriffa verdient 5 Sterne, ist aber kein Leading
Hotel Botanico Teneriffa verdiente 5 Sterne, aber kein Leading
Wir fanden das „Hotel Botanico Teneriffa“ im Katalog der „Hotels Leading Club“ die, die Besten der Welt sein sollen.
Wir kamen im Hotel, an einem Wochenende im Februar, gegen Mittag an. In Abwesenheit eines Kofferträgers eilte eine junge zierliche Angestelltin die Treppe zum Eingang hinunter, um unser Gepäck in Empfang zu neh-men, welches, nebenbei bemerkt, ziemlich schwer war. An der Rezeption bekamen wir dann ein erfrischendes Willkommensgetränk. Nach einiger Wartezeit, für ein Hotel Leaders doch ein wenig zu viel, kamen wir endlich dran. Wir bekamen zwei elektronische Karten, die Schlüssel für unser Zimmer. Mit dem Fahrstuhl fuhren wir dann bis zum 2. Stock hinauf, wo sich unser Zimmer befand. Wir betraten es und wunderten uns sehr, es war ein ganz normales, eher kleines Zimmer, aber sehr hell und mit einem Balkon und einen schönen Blick in Richtung Puerto de la Cruz.
Wir hatten mit einem Upgrade gerechnet, wie wir es immer in den anderen Hotels Leading Club in Spanien, in Deutschlands und in Portugal es erlebt hatten, aber nein, in Teneriffa, wo Massentourismus herrscht, wird nicht soviel Wert darauf gelegt was für ein Zimmer der Gast bekommt. Touristen gibt es dort wie Sand am Meer und wenn ein Gast unzufrieden ist, kommen schon sowieso Dutzende neue. Außerdem, so wie wir es erfahren haben, das Hotel Botanico Teneriffa genießt von Dauergästen, die das Haus periodisch immer wieder aufsuchen. Man muss also nicht um jeden neuen Gast umwerben.
Als glücklicher Besitzer einer Hotel Leading Club Karte zu sein, hilft es also herzlich wenig in diesem Hotel einen Upgrade zu bekommen. Nun denn, also nicht, keinen Upgrade. Im Leading Club Katalog steht auch ge-schrieben, das Hotel kann, ist aber nicht verpflichtet einen Upgrade zu machen. Wenn die Nase des Kunden nicht passt, gibt es auch keinen Upgrade. Diesmal hatten wir also Pech gehabt. In sieben Jahren Leaders Club Mitgliedschaft, das erste Mal. Immer ist einmal das erste Mal.
Wir schauten uns das Zimmer und das Badezimmer gründlich an. Im Schlafzimmer befand sich das Doppelbett, klar, wo den sonst. Auf jeder Kopfseite lagen ein langer dünner Kopfkissen und ein kleiner viereckiger oben drauf. Schön weiß waren sie. Wir hatten aber bei der Zimmerbestellung nach mehreren Kopfkissen gebeten. Für glücklicher Besitzer einer Hotel Leading Club Karte ist das ein Wunsch, welches das Hotel erfüllen sollte, aber auf das wurde nicht beachtet. Vielleicht hatte man in dem Moment nicht so viele freie Kissen im Haus gehabt. Wer weist. Oder man überlas die Stelle einfach. Was soll man mit so vielen Kissen…
An beiden Bettseiten standen die Nachttischchen samt Nachtlampen. Auf das eine Tischchen stand ein Telefon.
Gegenüber vom Bett, über einem Tisch hing ein Bild, nichts aufregendes, aber passte gut zur allgemeinen Zim-merdekoration. Links vom Bild hing, ebenfalls an der Wand, ein großes Plasma TV Bildschirm. Hierzu muss ich betonen, die Vielfalt an deutschen, spanischen und sonstige anderen ausländischen Programmen war wirklich überwältigend. Eine solche riesige Auswahl an TV Kanälen hatte ich in anderen Hotels bislang noch nie erlebt. Die Bild- und Tonqualität waren auch bemerkenswert gut. Langeweile konnte hier also nicht aufkommen. Wenn der Zimmernachbar, oder die Nachbarin, ein wenig zu hoch den Ton aufdrehte, konnte man hören welche TV Präferenzen er, bzw. sie hatte. Auch nett so was zu wissen. Vielleicht träfe man sich später im Spa oder am Schwimmbad wieder, dann hätte man ein sicheres Gesprächsthema gehabt.
An der gegenüberliegenden Seite des Balkonfensters stand der große Doppelschrank mit zwei Türspiegeln, Schubläden, Tresor und Minibar. Wäschebügel hingen hier ausreichend viele, auch etwas, was immer wieder fehlt an ausreichenden Zahl bei vielen anderen Hotels.
Wer die Hotels der spanischen Melia Kette kennt, weißt wie die Badezimmer dort aussehen: Gut, sauber und funktionell, aber kein Luxus. Genauso sah unser Badezimmer aus: Badewanne mit einem normalen, eher billigen und nicht verstellbaren Duschkopf. Ein Marmor Waschtisch mit zwei Waschbecken, ein Korb mit Toilettesachen, WC, Bidet, eine Waage, ein Telefon, Haartrockner, entsprechende Hand- bzw. Badetücher, zwei Bademäntel und einen kleinen Hocker. Völlig ausreichend für die tägliche Körperpflege und alles sehr sauber.
Ein Hotel Leading Badezimmer bietet aber mehr: Auf jedem Fall eine Dusche mit Duschmassageeinrichtung. Da könnte man auch eine Infrarotlampe und Musikberieslung einbauen, in manchen Hotels (Deutschland und Poru-gal) haben wir sogar einen kleinen, an der Wand eingebauten TV Bildschirm erlebt. Manchmal hatten wir sogar eine Badewanne mit Sprudelbadeinrichtung gehabt. Das sind Dinge, die ein normales Badezimmer in einem Luxusbadezimmer umwandeln lassen.
Im Hotelzimmer hatten wir auch eine LAN Verbindung, aber viel zu langsam. Sie tauchte nicht viel. Trotzdem nett, das sie daran gedacht haben.
Von der VIP-Zimmereinrichtung, die auf der Internetseite vom Hotel erwähnt wird und mit der ein Leaders Club Mitglied auch rechnet, haben wir nichts mitbekommen.
Die Zeit verging, zwei, sogar drei Stunden, wir räumten unsere Sachen in den Schrank ein und niemand brachte uns einen Obstteller oder Getränke, wie es in dieser Hotelkategorie immer üblich ist, geschweige ein Präsent vom Hotel, wie es ebenfalls für ein Hotel der Leading Club Gruppe sich gehört.
In allen anderen Leading Club Hotel wo wir schon mal waren, mit Ausnahme vom Botanico Teneriffa, hatten wir auch eine Karte mit einem kurzen Gruß vom Hotelmanager, bzw. von der Hoteldirektion bekommen. In einigen wenigen Fällen kam sogar der Manager persönlich uns zu begrüßen. Das hatten wir gar nicht erwartet, aber es war eine sehr nette Geste. Auf so eine Idee würde man im Botanico Teneriffa überhaupt nicht kommen.
Wir erfrischten uns, zogen uns um und gingen anschließend aus unserem Zimmer raus, um einen ersten gesam-ten Eindruck vom Hotel zu bekommen.
In der Tat, die Hoteleinrichtung war sehr schön orientalisch gehalten, sicherlich auf Wunsch seines thailandesi-schen Besitzers. Alles war sehr sauber und gut gepflegt, die gesamte Dekoration passte sehr genau ineinander. Dadurch entstand überall eine ruhige, sehr gemütliche, typische orientalische Atmosphäre. Nach einer langen Weile kehrten wir zurück ins Zimmer, um uns für das Abendessen im Restaurant The Oriental umzuziehen. Wie wir es schon erwartet hatten, auch zu diesem Zeitpunkt wurde uns keinen Willkommensgruß in Form von Obst, Getränke oder eines kleinen Präsent gebracht.
Wir fuhren runter zum Erdgeschoss und vor dem Abendessen nahmen wir in der Bar des Hotels einen Cocktail zu uns. Das Personal bediente und beriet uns ausgesprochen freundlich, was in Spanien nicht immer selbstver-ständlich ist. Die beiden Cocktails waren fabelhaft zubereitet.
Im Restaurant The Oriental bediente uns, neben einer sehr freundlichen Bedienung, auch die -scheinbar- Besitze-rin des Lokals, eine resolute und sehr fähige thailändische Dame, die uns durch die Kostbarkeiten der thailändi-schen Küche führte. Da zahlt man gerne was das Essen kostet. Und hier nun was ganz besonders: Wir hatten im dortigen Hotel vier ganze Tage gebucht. An einem dieser Tage kochte der thailändische Gourme Mann „dim sums“ nur und allein für uns beide, weil er gehört hatte, wir mögen sie so sehr und auf der Speiseliste waren sie verschwunden. Einem besonderen Lob für den Koch, der sich soviel Mühe für uns gemacht hatte.
Die Februar Nacht war relativ kühl und da die Klimaanlage nicht heizte, sondern nur ausschließlich kühlte, leg-ten wir die Decken auf dem Bett drauf, die oben im Schrank lagen. Damit war das Thema kühle Nacht erledigt.
Es wurde langsam hell, der zweite Tag begann. Früh morgens öffnete ich die Tür um die Tagespresse, die nor-malerweise an der Außenseite der Zimmertür hängen sollte, reinzuholen, aber da hing nichts. Na ja, kein Wunder, bis jetzt waren keine der Leistungen, die ein Hotels der Leading Kategorie erfüllen muss, in Erfüllung gegangen. Also Tagespresse gab es auch nicht.
Wir gingen runter zum Frühstücksraum. Zwei sehr höfliche junge Damen nahmen uns in Empfang, fragten nach unserer Zimmernummer und übergaben uns ein DIN A4 Blatt. Auf der einen Seite konnte man eine sehr kom-pakte und eng gedruckte Zusammenfassung des Weltgeschehens lesen, auf der anderen Seite, das tägliche Ho-telprogramm. Also, doch Tagespresse, nur äußerst komprimiert. Viel durfte auf der Welt nicht geschehen, denn auf eine DIN A4 Seite ist nicht viel Platz für viel Text. Wir suchten uns einen schönen Tischplatz für zwei Per-sonen mit Blick zum Pool.
Und nun zum Thema Frühstück: Einfach ausgezeichnet. Da stimmte einfach alles. Die Auswahl an Wurst-, Kä-se- und Brotsorten war riesig. Es gab ebenfalls mehrere frisch gepresste Obstsäfte, verschiedene Marmeladen, kalte und warme Speisen, dazu Kaffe oder Tee. Es gab einfach alles was man sich zum Frühstück nur so wünscht. Nur eins störte uns: Es gab zu wenig Personal um das schmutzige Geschirr wegzuräumen, so dass man selber, als Gast, die benutzen Teller auf einer Ecke des Tisches auftürmen musste, in der Hoffnung ein Kellner oder Kellnerin würde das sehen und mitnehmen, nicht immer mit Erfolg.
Nach dem Frühstück entdeckten wir im 1. Obergeschoß einen Billardraum, wo sowohl spanische als auch deut-sche und andere ausländische Tagespresse auf einem großen Tisch ausgebreitet war. Also, jetzt doch richtige Tagespresse im Hotel. Na, das ist ja schön. Wenn aber jemand gerade Die Welt oder El Pais las, musste man darauf warten bis der- bzw. diejenige fertig gelesen hatte, um selber die Zeitung in die Hand nehmen zu können, denn es gab nur ein Exemplar pro Ausgabe. Die andere Möglichkeit, man greift zu einer ganz anderen Zeitung, so lernt man auch andere Pressedienste kennen. Oder man kommt später wieder, in der Hoffnung dann die ge-wünschte Zeitung doch lesen zu können.
Das Einfachste der Welt aber: Aus dem Hotel rausgehen, zum nächsten Kiosk laufen und sich selber die eigene Zeitung kaufen. Das fördert sogar die Gesundheit mit einem ungewollten Frühsport.
Im Laufe des Tages gingen wir dann zum sehr gelobten Spa und Wellnesscenter, der für den Hotelgast im Preis inbegriffen ist. Den Lob den wir gelesen, bzw. gehört hatten, hat die Spa Anlage wirklich ganz verdient. Dort gab es einen beheizten Innenpool, verschiedene Dampfbäder, Saunas, ein Whirlpool und diverse Duscharten. Allerdings nicht alle funktionierten einwandfrei, denn beim Drücken mancher Knöpfe kam kein Wasser raus.
Neben dem sehr gut gepflegten und sehr schönen Hotelgarten war der Außenpool, ebenfalls beheißt und mit diversen Whirlpooleinrichtungen ausgestattet.
Am Abreisetag wollten wir das Zimmer erst um 15:00 Uhr, statt zur obligatorischen Abreisezeit von 12:00 Uhr, verlassen, denn unser Flug war für 19:00 Uhr angesagt. Nach einigem Zögern in der Rezeption liest man uns doch diese Möglichkeit, die ein Leaders Club Mitglied durch seine Mitgliedkarte als kostenlosen Service von Hotel bekommen kann, sogar muss, wenn der Gast dies in Anspruch nehmen möchte. So steht es in den Statuten. Im Hotel war das aber scheinbar nicht so ganz klar und nach vielen hin und her ging das doch.
Fazit: Das Personal ist äußerst höflich und hilfsbereit, spricht neben Spanisch auch Deutsch und Englisch. Das Problem liegt am fehlenden Personal, denn sie alle arbeiten dort sehr fleißig und angegiert. Aber wenn sich viele Gäste einfinden, wird es mit dem Personal, z.B. im Frühstückraum, eng. Besonders schlecht sieht es an der Re-zeption aus, wo man fast immer länger warten muss, egal ob man sich ein- oder auschecken möchte.
Das Frühstück ist einfach ausgezeichnet, wie auch das Essen in den beiden Restaurants, sowohl mit der orientali-schen, als auch mit der kanarischen Küche. Ebenfalls ist ein Genuss die Weine, die dort serviert werden, zum Teil auch aus kanarischer Produktion. Nicht zu vergessen die guten Cocktails und die dazu fachmännischen und nette Beratung. Die Räume im Hotel sind alle sauber und gut gepflegt.
Das sind alle Pluspunkte, die für den Hotel Botanico Teneriffa sprechen und es zu einem guten 5 Sternen Hotel auszeichen. Aber, für meine Begriffe noch nicht ausreichend, wenn dieses Hotel zu der ausgesuchten Gruppe der Leading weltbesten Hotels gehören möchte. Dazu gehört eben noch mehr: Die besonderen Leistungen, die ein Mitglied der Hotels Leading Club hat, werden im Botanico nicht eingehalten, bzw. sind weitgehend unbekannt. Dazu kommt die oben erwähnte Zimmerausstattung, die zwar gut ist, aber für ein Hotel der Leading Gruppe noch besser sein müssen.
Und noch etwas zum Schluss: Ein Hotel der Leading Kategorie wirbt nicht mit Pauschalreiseangebote, wie es im Raum hinter der Rezeption vom Botanico Teneriffa geschieht. Das gehört sich nicht wenn man zu der obers-ten weltbesten Hotel Kategorie gehören möchte.